05. Dezember 2017 Judith Sodann, Dr. Michael Friedrich

Mit der Dampflok in die Zukunft – zur Breitbandoffensive in Nordsachsen

Bis Ende 2018 soll es in Sachsen nach dem Willen der Koalition eine flächendeckende Breitbandversorgung von 50 Megabit pro Sekunde (MbpS) geben. Derzeit sind nur rund 60 Prozent der sächsischen Haushalte auf diesem Stand versorgt. Dabei ist das Gefälle zwischen Städten und Gemeinden immens. Nachdem die Entwicklung über Jahre verschlafen wurde, soll es jetzt also ganz schnell gehen.

Auch in Nordsachsen. Ziel der digitalen Breitbandoffensive des Landrats ist die flächendeckende Erschließung aller Gebiete mit einer Downloadgeschwindigkeit von wenigstens 50 MbpS. „Diese Anforderungen lassen sich kurzfristig durch das als förderfähig eingestufte Vectoring erfüllen“, so Kai Emanuel. Beim Vectoring werden Anschlüsse auf der „letzten Meile“ mit veralteten Kupferkabeln ans Netz angebunden und maximale Geschwindigkeiten von 100 MbpS erreicht. 

Auf den ersten Blick ist das schneller und günstiger, als in Glasfaser zu investieren. Immerhin stehen rund 105 Mio Euro für Nordsachsen bereit. Zukunftstauglich ist die Methode jedoch nicht. Zum einen, weil Arztpraxen, Konstruktionsbüros, Schulen, neue Technologien wie autonomes Fahren und Telemedizin auf Geschwindigkeiten im Gigabit-Bereich angewiesen sind, die mit Glasfaser erreicht werden können. Zum anderen, weil die TELEKOM mit ihrem Vectoring gratis ein Monopol bekommt, womit technologisch leistungsfähigere Verfahren auf viele Jahre hinaus ausgebremst werden. Das wissen der Sächsische Städte- und Gemeindetag ebenso wie die Landräteversammlung und Wirtschaftsminister Dulig, die alle eine eindeutige Ausrichtung auf Glasfaser fordern. Das weiß auch Nordsachsens Nachbarmetropole Leipzig. In den wenigen weißen Flecken bezüglich des Ausbaus in einigen Ortsteilen am Stadtrand werden dort flächendeckend die Voraussetzungen für die Gigabit-Gesellschaft geschaffen - mit Glasfaser. Wo es wirtschaftlich rentabel ist, investieren auch private Unternehmen wie die Telekom oder HL komm in den Netzausbau.

Nicht so in Nordsachsen. Viele kleinere Kommunen außerhalb der Mittelzentren haben weder die Mittel, selbst „den Glasfaserausbau zu komplettieren“, wie es der Landrat erwartet, noch werden in den dünn besiedelten Gebieten private Unternehmen investieren. Dabei liegt der Bedarf auf der Hand in einer Region, die um jede Unternehmensansiedlung und gegen Abwanderung kämpft. Die Kommunen in Nordsachsen werden und müssen weiter kämpfen. Sie sehen mit großer Spannung dem Resultat der Ausschreibung für den Breitbandausbau in den 6 Projektgebieten unseres Landkreises entgegen, für die der kommende Kreistag dem Landrat grünes Licht für den Abschluss der Verhandlungen geben will.

 Die LINKE erwartet, dass nun endlich auch der Vergabeausschuss des Kreistages, der bisher in dieses Großvorhaben nicht einbezogen war, in einer Sondersitzung bis spätestens Ende Januar über die Verfahrensweise und die erfolgten Zuschläge informiert wird, denn dies erst zum übernächsten Kreistag am 21.03.2018 zu tun ist eindeutig zu spät. Nach wie vor gilt es alle Anstrengungen zu unternehmen, um eine digitale Klassengesellschaft zu verhindern!

Kategorien: Pressemitteilung

Kommentare

Keine Kommentare zu diesem Beitrag

Hinterlassen Sie einen Kommentar