10. Juli 2017 Dr. Michael Friedrich, Fraktionsvorsitzender

LINKS geht anders

Ist es noch „links“, unter dem Anspruch gegen den Kapitalismus zu kämpfen mit Pflastersteinen auf Polizisten zu werfen, Supermärkte zu plündern, eine Kita zu demolieren und die PKW´s völlig Unbeteiligter anzuzünden? Ist es richtig, vor allem der Polizeiführung und dem Ersten Bürgermeister von Hamburg Olaf Scholz (SPD) die Schuld für die unsäglichen Krawalle während des G 20-Gipfels in die Schuhe zu schieben?

Natürlich war es grundfalsch und hochgradig naiv, den Gipfel ausgerechnet in Hamburg stattfinden zu lassen. Auch die Polizeiführung hat grobe Fehler begangen, als sie am ersten Abend ohne Not wegen ein paar Hundert Vermummter eine bereits genehmigte bunte Demonstration Zehntausender zum Stehen brachte und damit maßgeblich zur Eskalation der Lage beitrug. All dies aber kann in keiner Weise dazu herangezogen werden, das Geschehene zu relativieren.  Die LINKE muss aufhören zu lavieren und sich eindeutig zur Gewaltfreiheit bekennen. Dazu gehört eine klare Abgrenzung von denen, die glauben  mit dem „Schwarzen Block“ auf „erlebnisorientierten“ Krawalltourismus gehen zu müssen. Widerstand lässt sich nur friedlich und möglichst mit gesellschaftlichen Mehrheiten organisieren. Diese aber lassen sich ganz bestimmt nicht dadurch gewinnen, indem das Leben und die Gesundheit der Menschen gefährdet und deren Besitz zerstört werden.

Das eigentlich Schlimme aber ist doch, dass mit dem Kampf der Medien um die schlimmsten Randale-Bilder das vollauf berechtigte Anliegen der übergroßen Mehrzahl friedlicher Demonstranten total in den Hintergrund getreten ist. Wer spricht jetzt noch über den Hunger in Afrika, über ausufernde Rüstungsexporte, über ertrinkende Flüchtlinge im Mittelmeer, über Dürre und Anstieg der Meeresspiegel, über Steueroasen und über korrupte Despoten, wenn die Aktion-Berichterstattung auf brennende Barrikaden, Wasserwerfen im Einsatz und ausgeräumte Läden gerichtet ist? Der eigentliche Skandal, dass genau diejenigen Staaten, die sich zum G 20-Gipfel versammelt haben, ein gehöriges Maß an politischer Mitverantwortung für die genannten Missstände tragen, ist damit leider völlig in den Hintergrund getreten. Ein Bärendienst für diejenigen, die mit Herzblut für  eine friedliche, solidarische, sozial gerechte und nachhaltig wirtschaftende Welt eintreten. 

Kategorien: Kreisvorstand

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