28. September 2017 MdL - L. Neuhaus-Wartenberg

Handwerk mehr in den Mittelpunkt rücken – nicht mit „back to the roots", sondern mit modernen Reformen

Wie die Leipziger Volkszeitung berichtet, fordern der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Region Leipzig-Nordsachsen, der Verein Arbeit und Leben Sachsen und die Handwerkskammer für die Region Leipzig eine Wiedereinführung der Meisterpflicht, zumindest aber deren Bestandssicherung. Hauptprobleme seien nicht nur die nachlassende Qualität handwerklicher Betriebe, sondern auch der Rückgang der Ausbildung junger Menschen. Dazu erklärt Luise Neuhaus-Wartenberg, Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag für Handwerk, Mittelstand und Tourismus:

„Die Situation des Handwerks in Sachsen ist tatsächlich bedenklich. Seit Jahren schließen mehr Betriebe als neue entstehen. Es ist zunehmend eine Konzentration der Angebote auf die urbanen Gebiete Sachsens zu beobachten, und es bleiben viele Lehrstellen unbesetzt. Diese Probleme lassen sich aber meiner Meinung nach nicht lösen, indem man nun nach dem Motto „back to the roots" zurück in die Vergangenheit will.

 

Man muss zu dem Schluss kommen, dass nicht allein die Meisterpflicht, sondern die sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen das Handwerk vor Herausforderungen stellen.

Gerade junge Menschen glauben, durch ein Studium wirtschaftlich bessere Möglichkeiten zu haben, als durch eine Ausbildung und Beschäftigung im Handwerk. Zusätzlich gehen durch die gute konjunkturelle Lage Menschen lieber vermeintlich „sicher" in abhängige Beschäftigung, als selbstständig tätig zu sein. Das sind für das Handwerk die größeren Herausforderungen, als die Auswirkungen der Lockerung der Meisterpflicht.

 

Was es braucht, sind Ideen, die es für junge Menschen sicher und attraktiv machen, eine Ausbildung und/oder eine Tätigkeit im Handwerk aufzunehmen.

  1. Schon schulische Ausbildung kann und sollte junge Menschen eben auch beibringen, was es heißt, selbstständig tätig zu sein, „zu wirtschaften", unternehmerisches Risiko abschätzen zu können. Warum gestaltet man nicht ein allgemeines Fach „Wirtschaft", dass genau diese Punkte aufgreift, Angst vorm Scheitern nimmt, Chancen und Risiken eigenständiger Tätigkeit vermittelt?
  1. Das Ausbildungsgehalt allein muss für den Lebensunterhalt reichen.
  1. Der Zugang zu Aus- und Weiterbildung im Handwerk muss freier werden. Dass viele Haupt- und Oberschüler nur schwer eine Ausbildung finden, verschwendet Potenziale.

Die soziale Absicherung von Handwerker*innen  und Selbstständigen ist veraltet und reformbedürftig. Dadurch wird es für junge Menschen immer unattraktiver, überhaupt unternehmerisch tätig zu sein. Wer arbeitet, muss gleichberechtigt abgesichert werden!

Kategorien: Kreisvorstand

Kommentare

Keine Kommentare zu diesem Beitrag

Hinterlassen Sie einen Kommentar